Unternehmen planen die Entwicklung ihrer Mitarbeitenden oft über Jahre hinweg. Doch eine entscheidende Voraussetzung für ihre Zukunftsfähigkeit nehmen sie dabei häufig als selbstverständlich hin: die Fähigkeit, zu lernen und mit Veränderungen umzugehen.
Auch wir selbst betrachten unser Gehirn oft als etwas Selbstverständliches. Solange es funktioniert, machen wir uns wenig Gedanken darüber. Erst wenn wir merken, dass uns bestimmte Dinge nicht mehr so leichtfallen wie früher, beginnen wir, uns mit seiner Leistungsfähigkeit zu beschäftigen.
Dabei können wir einiges tun, um unser Gehirn langfristig fit zu halten und seine Leistungsfähigkeit auch im Alter zu unterstützen. Und weil wir immer länger arbeiten und aktiv bleiben, lohnt es sich, frühzeitig damit anzufangen. Am besten, bevor wir überhaupt erste Veränderungen bemerken.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Art und Weise, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet. So kann es beispielsweise länger dauern, Informationen aufzunehmen oder sich an bestimmte Details zu erinnern. Gleichzeitig wächst unser Erfahrungsschatz, und wir verfügen über Wissen, auf das wir zurückgreifen können.
Mit der Pflege unseres Gehirns müssen wir deshalb nicht bis zum Ruhestand warten. Eine interessante Perspektive bietet eine Analyse, der zufolge sich erste messbare Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit bereits zwischen dem 31. und 40. Lebensjahr zeigen. Das bedeutet jedoch weder, dass es einen plötzlichen Wendepunkt gibt, noch dass unser Gehirn automatisch an Leistungsfähigkeit verliert. Vielmehr handelt es sich um einen schleichenden Prozess, der bei jedem Menschen unterschiedlich verläuft.
Und obwohl sich unser Gehirn im Laufe des Lebens verändert, behält es eine bemerkenswerte Fähigkeit: Auch im höheren Alter kann es lernen und sich an neue Situationen anpassen. Das sollten wir uns bewusst machen und für uns nutzen.
Routinen sind im Berufsleben und im Alltag durchaus sinnvoll. Sie helfen uns, viele Dinge schneller und mit weniger mentalem Aufwand zu erledigen. Wenn wir jedoch über längere Zeit immer wieder dasselbe auf dieselbe Weise tun, bekommt unser Gehirn weniger Gelegenheit, neue Impulse aufzunehmen und andere Lösungswege zu entdecken.
Genau hier kommt das Lernen ins Spiel. Ein neues Projekt, eine unbekannte Technologie, eine veränderte berufliche Rolle oder die Zusammenarbeit mit Menschen einer anderen Generation können unser Gehirn stärker anregen als ein weiteres Jahr im Autopilot-Modus.
Dasselbe Prinzip lässt sich auch außerhalb der Arbeit anwenden: Wir können etwas Neues lernen, gewohnte Vorgehensweisen hinterfragen oder uns regelmäßig einer Tätigkeit widmen, bei der wir uns nicht allein auf eingespielte Abläufe verlassen können.
Eine interessante Studie zeigt beispielsweise einen Zusammenhang zwischen anspruchsvolleren geistigen Tätigkeiten im Beruf und einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit vor dem Ruhestand sowie einem langsameren kognitiven Abbau danach.
Aber Vorsicht: Das bedeutet nicht, dass wir uns selbst oder unsere Mitarbeitenden ständig vor neue Herausforderungen stellen müssen. Entscheidend ist vielmehr, dass wir nicht dauerhaft in Routinen verharren, bei denen wir kaum noch gefordert sind.
„Er kann sich das einfach nicht mehr merken.“ Oder: „Sie braucht länger, um das neue System zu lernen.“
Solche Aussagen fallen im Berufsalltag schnell. Doch Gedächtnis und Lernfähigkeit lassen sich nicht allein am Alter festmachen. Sie werden von vielen Faktoren beeinflusst, darunter Aufmerksamkeit, Schlaf, Stress, Bewegung, Emotionen und soziale Kontakte. Auch die geistigen Anregungen und Herausforderungen, denen wir im Laufe unseres Lebens begegnen, spielen eine Rolle.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur das Arbeitsumfeld in den Blick zu nehmen, sondern auch die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen.
Wie viel Zeit nehmen wir uns im Alltag, um uns wirklich zu konzentrieren? Wann gelingt es uns, bewusst abzuschalten? Lernen wir noch etwas Neues? Bewegen wir uns ausreichend? Und haben wir Menschen um uns, mit denen wir Erfahrungen und neue Impulse austauschen können?
Arbeit besteht nicht nur aus Aufgaben und To-do-Listen. Sie ist auch ein soziales Umfeld, geprägt von Begegnungen, Austausch und Beziehungen.
Ein Gespräch mit einem Kollegen, die gemeinsame Lösung eines Problems, Mentoring oder die Zusammenarbeit im Team fordern unser Gehirn auf andere Weise als längere Phasen der Isolation.
Eine Studie hat beispielsweise einen Zusammenhang zwischen stärkerer sozialer Aktivität und einem langsameren kognitiven Abbau festgestellt.
Soziale Kontakte sind deshalb mehr als nur eine angenehme Ergänzung des Arbeitsalltags. Auch sie liefern unserem Gehirn wichtige Impulse. Und wie bei der Arbeit gilt: Die Art und Weise, wie wir leben und unsere Zeit gestalten, kann unser Gehirn unterschiedlich stark anregen.
Unser Gehirn im Alltag zu unterstützen, muss nicht kompliziert sein. Oft sind es kleine Veränderungen, die sich langfristig in unseren Alltag integrieren lassen.
Diese Prinzipien lassen sich nicht nur im privaten Alltag umsetzen, sondern auch in die Personalentwicklung von Unternehmen integrieren.
Genau hier setzen meine Workshops für Unternehmen an. Sie widmen sich der Entwicklung kognitiver Kompetenzen wie Gedächtnis, Konzentration, effektivem Lernen und dem Umgang mit Stress.
Im individuellen Coaching oder Training arbeiten wir gezielt an persönlichen Bedürfnissen und Gewohnheiten, die dabei helfen, das Gehirn langfristig fit zu halten.
Denn die Fähigkeit, zu lernen, sich anzupassen und mit Veränderungen umzugehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie verdient unsere Aufmerksamkeit. Am besten nicht erst dann, wenn wir erste Veränderungen bemerken.